Österreich verliert im EM-Quali – Spiel gegen Polen mit 0:1.

Nach 13 EM-Quali-Spielen ohne Niederlage ist die ÖFB-Serie gerissen. Janko ließ bei der knappen Niederlage gegen biedere Polen im Finish eine Großchance aus.

Wien. Da es laut Franco Foda in einem Fußballspiel, egal auf welchem Niveau, nur zwei Möglichkeiten gibt, nämlich den Ball haben oder nicht haben, war Österreichs Nationalteam bestens vorbereitet. Am Donnerstagabend nahm im Happel-Stadion vor 40.400 Zuschauern die EM-Qualifikation für die in Europa verstreute Endrunde 2020 ihren Anfang, spektakulärer geht es in Gruppe G gar nicht, Polen war der Gast. Laut Weltrangliste (Platz 20) der Favorit, sie wurden aus Topf 1 gelost. Aber Österreich ist als 23. dicht dran.

Viele Legionäre und ein Lainer

Der Teamchef forderte Begeisterung, Selbstbewusstsein, Achtsamkeit, schnelles Umschalten, Kreativität und Flexibilität, das ist eigentlich ziemlich viel verlangt. Er startete mit einer 3-4-3-Formation, das Tore hütete natürlich Heinz Lindner. Aleksandar Dragovic, Martin Hinteregger und der nachberufene Maximilian Wöber bildeten die Dreierkette, ihnen drohte eine intensive Bekanntschaft mit den Topstürmern Robert Lewandowski und Arkadiusz Milik.

Das Mittelfeld hatte die Namen Stefan Lainer, Kapitän Julian Baumgartlinger, Florian Grillitsch und David Alaba, vorne agierten Valentino Lazaro, Marko Arnautović und Marcel Sabitzer. Aber es waren natürlich keine einzementierten Positionen, von wegen Variabilität. Salzburgs Stefan Lainer war übrigens der einzige Beitrag aus der heimischen Bundesliga. Die ÖFB-Auswahl kam gut in die Partie, übernahm nach 35 Sekunden das Kommando, die Polen waren vornehmlich mit Defensivaufgaben beschäftigt, sie scheuten das Risiko. David Alaba trieb auf der linken Seite an, Chancen folgten zwangsläufig. 8. Minute: Woijciech Szczesny pariert einen Schuss von Sabitzer, gleich darauf einen von David Alaba (9.), Marko Arnautović wird gefährlich (14.). Nach etwa 20 Minuten erwachten die Polen, sie besuchten hin und wieder den gegnerischen Strafraum, Robert Lewandowski hatte Ballkontakte. 27. Minute: Kamil Grosicki zieht ab, Heinz Lindner hält bravourös.

Probleme im Angriff

Bei den Österreichern riss der Faden ein bisserl, die Leistung blieb zwar anständig, aber nicht mehr. Ein gewisses Problem im Angriff konnte nicht verheimlicht werden, keine epochale Erkenntnis, das weiß man seit Monaten. Halbzeitstand 0:0. Polens Teamchef Jerzy Brzeczek hatte von den Seinen „kein schönes Spiel“ erwartet, der Wunsch wurde ihm im Großen und Ganzen erfüllt.

Nach der Pause änderte sich an der Charakteristik wenig, Österreich erhöhte zunächst das Tempo, Marko Arnautović wurde agiler, setzte seinen Körper ein. Schüsse von Marcel Sabitzer, Marko Arnautović und Valentino Lazaro verfehlten das Ziel relativ knapp. Die Polen gaben allerdings die totale Ungefährlichkeit auf. 68. Minute: Corner, Tomas Kedziora kommt frei zum Schuss, Heinz Lindner wehrt ab, der eingewechselte Krzysztof Piatek vom AC Milan staubt per Kopf zum 0:1 ab. So bitter kann Fußball sein. Der postwendende Ausgleich blieb Österreich versagt, auch weil der Referee den Hausherren nach einer Attacke Tomasz Kedzioras an Florian Grillitsch den Elfmeter verweigerte. Krzysztof Piatek wiederum vergab eine sogenannte Hundertprozentige (75.).

Janko als Joker

In seiner Verzweiflung brachte Foda den 35-jährigen Marc Janko anstelle von Valentino Lazaro (81.), Karim Onisiwo ersetzte Florian Grillitsch (84.). Dem Ausgleich blieb man aber doch fern. Ausgenommen Marc Janko, der Dauerreservist von Lugano, köpfelte nach Flanke Maximilian Wöbers fast fahrlässig daneben (88.). Und in der Nachspielzeit wehrte Wojciech Szczesny David Alabas Granate ab. „Eine unverdiente Niederlage“, sagte Marko Arnautović. „Du kannst neunzig Minuten führen, und dann verlierst du am Ende. Solche Mannschaften bestrafen schon einen Fehler.“

Bereits Freitagvormittag fliegen Marko Arnautović und Co zu Andreas Herzog nach Israel, am Sonntag steigt in Haifa die zweite Partie. Die Israelis erreichten am Donnerstag eben dort gegen Slowenien ein 1:1. Nordmazedonien schlug Lettland 3:1, ist Tabellenführer.

…Spieler von Polen im Jubel über das 0-1 von Krzysztof Piatek 

Bericht: Gernot Hohenwarter
Fotos: © Andreas Prochaska

EM-Qualifikation, Gruppe G, Österreich – Polen 0:1 (0:0) Ernst-Happel-Stadion (WIEN), 40.400 Zuschauer, SR Sidiropoulos (GRE)Tor: 0:1 (68.) Piatek

Österreich: Lindner – Dragovic, Hinteregger, Wöber – Lainer, Baumgartlinger, Grillitsch (84. Onisiwo), Alaba – Lazaro (81. Janko), Sabitzer – Arnautović

Polen: Szczesny – Kedziora, Glik, Bednarek, Bereszynski – Grosicki (91. Pazdan), Klich, Krychowiak, Zielinski (59. Piatek) – Milik (46. Frankowski), Lewandowski
Gelbe Karten: Dragovic, Alaba bzw. Bereszynski

Stimmen zum Spiel:

Franco Foda (Teamchef Österreich): „Wenn man die 90 Minuten Revue passieren lässt, hätten wir zumindest einen Punkt verdient gehabt. Der Gegner hatte in der ersten Halbzeit einen Weitschuss. Wir haben die ersten 20, 25 Minuten wirklich sehr gut gespielt, danach hatten wir einfach im Spielaufbau zu einfache Passfehler nach vorne. Wir haben ein paar Situationen in der Halbzeit besprochen, das haben wir nach der Halbzeit auch getan. Leider haben wir bei einer Standardsituation nicht aufgepasst. Der Plan, den wir vorhatten, ist in der ersten Halbzeit gut gegangen über weite Strecken. Wir haben sie unter Kontrolle gehabt. Normal schreibt der Fußball Geschichten, normal macht Marc (Janko) das Tor. Ich hätte ihm das ja gegönnt, weil er immer da ist für uns. Es gibt keinen Grund Kopf hängen zu lassen, so wie die Mannschaft aufgetreten ist.“

Valentino Lazaro (Mittelfeld Österreich): „Wir haben gewusst, dass Polen ein starker Gegner ist. Wir haben stark begonnen, waren die ersten 25 Minuten überlegen, haben gut umgeschaltet, aber die Chancen nicht fertig gespielt. Dann haben wir ein bisschen den Faden verloren, dann war es ein Spiel auf Augenhöhe. Wir haben ein gutes Spiel abgeliefert für den Start in die Quali. Es ist sehr bitter, aber wir werden jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken. Wir werden analysieren, weiterarbeiten und es besser machen.“

Marko Arnautović (Stürmer Österreich): „Natürlich ist es meine Aufgabe, Tore zu machen und Chancen zu erarbeiten. Die haben wir auch gehabt, aber die hatten immer eine Fußspitze dazwischen, und ihr Tormann hat sehr gut gehalten. Ich denke, dass wir heute sehr unverdient verloren haben. Natürlich ist es sehr bitter, das ist Fußball. Du bist die bessere Mannschaft, dann verlierst du das Spiel. Wir sind gerade am Anfang, haben noch neun Spiele vor uns. Natürlich wollen wir am Sonntag die drei Punkte holen. Es wird kein Spiel einfach in dieser Qualifikation. Du kannst dominieren 90 Minuten, und dann verlierst du am Ende. Wenn du einen Fehler machst, wirst du bestraft.“

Heinz Lindner (Tormann Österreich): „Eigentlich kann ich fast nur positive Schlüsse aus dem ersten Spiel ziehen. Wir haben uns vorgenommen, dominant aufzutreten, haben die nötigen Chancen herausgespielt. Das einzige, was gefehlt hat, war der Abschluss. Sonst können wir mit unserer Leistung sehr zufrieden sein.“ Zum Gegentreffer: „Das war ein Ball, der am zweiten Pfosten landete. Max (Wöber) hat versucht, den Schuss zu blocken, leider hat er mir da die Sicht verstellt. Leider konnte ich dem Ball nicht mehr die nötige Richtung mitgeben, dass er aus der Gefahrenzone kommt.“

Marc Janko (Stürmer Österreich): „Es gibt es keine Ausrede, den (die Chance) muss ich machen. Ich bin zu schlecht hinter den Ball gekommen und habe ihn nicht im optimalen Winkel erwischt. Sehr, sehr ärgerlich.“

Jerzy Brzeczek (Teamchef Polen): „Wir freuen uns sehr, dass wir dieses enge Spiel gewonnen haben. Es war ein schwieriges und enges Match. Die Qualifikation ist noch lang, aber wir freuen uns trotzdem. Wir hatten Probleme mit den Kontern der Österreicher, sie haben gut über die Flügel gespielt, deshalb wurde Piatek eingewechselt. In der ersten Hälfte hatten wir Probleme, da haben wir viele taktische Fehler gemacht, nach der Einwechslung von Piatek hat unser Spiel anders ausgeschaut. Die österreichische Mannschaft hat sehr gut gespielt, am Schluss haben wir bei der Chance von Janko viel Glück gehabt.“

Robert Lewandowski (Stürmer Polen): „Es war sehr wichtiger Sieg für uns. Wir haben einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht, in der Qualifikation ist jedes Spiel wichtig.“

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