Österreich verliert im EM-Quali – Spiel gegen Polen mit 0:1.

Nach 13 EM-Quali-Spielen ohne Niederlage ist die ÖFB-Serie gerissen. Janko ließ bei der knappen Niederlage gegen biedere Polen im Finish eine Großchance aus.

Wien. Da es laut Franco Foda in einem Fußballspiel, egal auf welchem Niveau, nur zwei Möglichkeiten gibt, nämlich den Ball haben oder nicht haben, war Österreichs Nationalteam bestens vorbereitet. Am Donnerstagabend nahm im Happel-Stadion vor 40.400 Zuschauern die EM-Qualifikation für die in Europa verstreute Endrunde 2020 ihren Anfang, spektakulärer geht es in Gruppe G gar nicht, Polen war der Gast. Laut Weltrangliste (Platz 20) der Favorit, sie wurden aus Topf 1 gelost. Aber Österreich ist als 23. dicht dran.

Viele Legionäre und ein Lainer

Der Teamchef forderte Begeisterung, Selbstbewusstsein, Achtsamkeit, schnelles Umschalten, Kreativität und Flexibilität, das ist eigentlich ziemlich viel verlangt. Er startete mit einer 3-4-3-Formation, das Tore hütete natürlich Heinz Lindner. Aleksandar Dragovic, Martin Hinteregger und der nachberufene Maximilian Wöber bildeten die Dreierkette, ihnen drohte eine intensive Bekanntschaft mit den Topstürmern Robert Lewandowski und Arkadiusz Milik.

Das Mittelfeld hatte die Namen Stefan Lainer, Kapitän Julian Baumgartlinger, Florian Grillitsch und David Alaba, vorne agierten Valentino Lazaro, Marko Arnautović und Marcel Sabitzer. Aber es waren natürlich keine einzementierten Positionen, von wegen Variabilität. Salzburgs Stefan Lainer war übrigens der einzige Beitrag aus der heimischen Bundesliga. Die ÖFB-Auswahl kam gut in die Partie, übernahm nach 35 Sekunden das Kommando, die Polen waren vornehmlich mit Defensivaufgaben beschäftigt, sie scheuten das Risiko. David Alaba trieb auf der linken Seite an, Chancen folgten zwangsläufig. 8. Minute: Woijciech Szczesny pariert einen Schuss von Sabitzer, gleich darauf einen von David Alaba (9.), Marko Arnautović wird gefährlich (14.). Nach etwa 20 Minuten erwachten die Polen, sie besuchten hin und wieder den gegnerischen Strafraum, Robert Lewandowski hatte Ballkontakte. 27. Minute: Kamil Grosicki zieht ab, Heinz Lindner hält bravourös.

Probleme im Angriff

Bei den Österreichern riss der Faden ein bisserl, die Leistung blieb zwar anständig, aber nicht mehr. Ein gewisses Problem im Angriff konnte nicht verheimlicht werden, keine epochale Erkenntnis, das weiß man seit Monaten. Halbzeitstand 0:0. Polens Teamchef Jerzy Brzeczek hatte von den Seinen „kein schönes Spiel“ erwartet, der Wunsch wurde ihm im Großen und Ganzen erfüllt.

Nach der Pause änderte sich an der Charakteristik wenig, Österreich erhöhte zunächst das Tempo, Marko Arnautović wurde agiler, setzte seinen Körper ein. Schüsse von Marcel Sabitzer, Marko Arnautović und Valentino Lazaro verfehlten das Ziel relativ knapp. Die Polen gaben allerdings die totale Ungefährlichkeit auf. 68. Minute: Corner, Tomas Kedziora kommt frei zum Schuss, Heinz Lindner wehrt ab, der eingewechselte Krzysztof Piatek vom AC Milan staubt per Kopf zum 0:1 ab. So bitter kann Fußball sein. Der postwendende Ausgleich blieb Österreich versagt, auch weil der Referee den Hausherren nach einer Attacke Tomasz Kedzioras an Florian Grillitsch den Elfmeter verweigerte. Krzysztof Piatek wiederum vergab eine sogenannte Hundertprozentige (75.).

Janko als Joker

In seiner Verzweiflung brachte Foda den 35-jährigen Marc Janko anstelle von Valentino Lazaro (81.), Karim Onisiwo ersetzte Florian Grillitsch (84.). Dem Ausgleich blieb man aber doch fern. Ausgenommen Marc Janko, der Dauerreservist von Lugano, köpfelte nach Flanke Maximilian Wöbers fast fahrlässig daneben (88.). Und in der Nachspielzeit wehrte Wojciech Szczesny David Alabas Granate ab. „Eine unverdiente Niederlage“, sagte Marko Arnautović. „Du kannst neunzig Minuten führen, und dann verlierst du am Ende. Solche Mannschaften bestrafen schon einen Fehler.“

Bereits Freitagvormittag fliegen Marko Arnautović und Co zu Andreas Herzog nach Israel, am Sonntag steigt in Haifa die zweite Partie. Die Israelis erreichten am Donnerstag eben dort gegen Slowenien ein 1:1. Nordmazedonien schlug Lettland 3:1, ist Tabellenführer.

…Spieler von Polen im Jubel über das 0-1 von Krzysztof Piatek 

Bericht: Gernot Hohenwarter
Fotos: © Andreas Prochaska

EM-Qualifikation, Gruppe G, Österreich – Polen 0:1 (0:0) Ernst-Happel-Stadion (WIEN), 40.400 Zuschauer, SR Sidiropoulos (GRE)Tor: 0:1 (68.) Piatek

Österreich: Lindner – Dragovic, Hinteregger, Wöber – Lainer, Baumgartlinger, Grillitsch (84. Onisiwo), Alaba – Lazaro (81. Janko), Sabitzer – Arnautović

Polen: Szczesny – Kedziora, Glik, Bednarek, Bereszynski – Grosicki (91. Pazdan), Klich, Krychowiak, Zielinski (59. Piatek) – Milik (46. Frankowski), Lewandowski
Gelbe Karten: Dragovic, Alaba bzw. Bereszynski

Stimmen zum Spiel:

Franco Foda (Teamchef Österreich): „Wenn man die 90 Minuten Revue passieren lässt, hätten wir zumindest einen Punkt verdient gehabt. Der Gegner hatte in der ersten Halbzeit einen Weitschuss. Wir haben die ersten 20, 25 Minuten wirklich sehr gut gespielt, danach hatten wir einfach im Spielaufbau zu einfache Passfehler nach vorne. Wir haben ein paar Situationen in der Halbzeit besprochen, das haben wir nach der Halbzeit auch getan. Leider haben wir bei einer Standardsituation nicht aufgepasst. Der Plan, den wir vorhatten, ist in der ersten Halbzeit gut gegangen über weite Strecken. Wir haben sie unter Kontrolle gehabt. Normal schreibt der Fußball Geschichten, normal macht Marc (Janko) das Tor. Ich hätte ihm das ja gegönnt, weil er immer da ist für uns. Es gibt keinen Grund Kopf hängen zu lassen, so wie die Mannschaft aufgetreten ist.“

Valentino Lazaro (Mittelfeld Österreich): „Wir haben gewusst, dass Polen ein starker Gegner ist. Wir haben stark begonnen, waren die ersten 25 Minuten überlegen, haben gut umgeschaltet, aber die Chancen nicht fertig gespielt. Dann haben wir ein bisschen den Faden verloren, dann war es ein Spiel auf Augenhöhe. Wir haben ein gutes Spiel abgeliefert für den Start in die Quali. Es ist sehr bitter, aber wir werden jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken. Wir werden analysieren, weiterarbeiten und es besser machen.“

Marko Arnautović (Stürmer Österreich): „Natürlich ist es meine Aufgabe, Tore zu machen und Chancen zu erarbeiten. Die haben wir auch gehabt, aber die hatten immer eine Fußspitze dazwischen, und ihr Tormann hat sehr gut gehalten. Ich denke, dass wir heute sehr unverdient verloren haben. Natürlich ist es sehr bitter, das ist Fußball. Du bist die bessere Mannschaft, dann verlierst du das Spiel. Wir sind gerade am Anfang, haben noch neun Spiele vor uns. Natürlich wollen wir am Sonntag die drei Punkte holen. Es wird kein Spiel einfach in dieser Qualifikation. Du kannst dominieren 90 Minuten, und dann verlierst du am Ende. Wenn du einen Fehler machst, wirst du bestraft.“

Heinz Lindner (Tormann Österreich): „Eigentlich kann ich fast nur positive Schlüsse aus dem ersten Spiel ziehen. Wir haben uns vorgenommen, dominant aufzutreten, haben die nötigen Chancen herausgespielt. Das einzige, was gefehlt hat, war der Abschluss. Sonst können wir mit unserer Leistung sehr zufrieden sein.“ Zum Gegentreffer: „Das war ein Ball, der am zweiten Pfosten landete. Max (Wöber) hat versucht, den Schuss zu blocken, leider hat er mir da die Sicht verstellt. Leider konnte ich dem Ball nicht mehr die nötige Richtung mitgeben, dass er aus der Gefahrenzone kommt.“

Marc Janko (Stürmer Österreich): „Es gibt es keine Ausrede, den (die Chance) muss ich machen. Ich bin zu schlecht hinter den Ball gekommen und habe ihn nicht im optimalen Winkel erwischt. Sehr, sehr ärgerlich.“

Jerzy Brzeczek (Teamchef Polen): „Wir freuen uns sehr, dass wir dieses enge Spiel gewonnen haben. Es war ein schwieriges und enges Match. Die Qualifikation ist noch lang, aber wir freuen uns trotzdem. Wir hatten Probleme mit den Kontern der Österreicher, sie haben gut über die Flügel gespielt, deshalb wurde Piatek eingewechselt. In der ersten Hälfte hatten wir Probleme, da haben wir viele taktische Fehler gemacht, nach der Einwechslung von Piatek hat unser Spiel anders ausgeschaut. Die österreichische Mannschaft hat sehr gut gespielt, am Schluss haben wir bei der Chance von Janko viel Glück gehabt.“

Robert Lewandowski (Stürmer Polen): „Es war sehr wichtiger Sieg für uns. Wir haben einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht, in der Qualifikation ist jedes Spiel wichtig.“

Österreichs Team bleibt zweitklassig

Das ÖFB-Team erreicht gegen Bosnien-Herzegowina nur ein glückliches Remis und verpasst den Aufstieg in der Nations League. Franco Fodas Team in Wien zu harmlos.

Wien. Es gab vor dem Spiel gegen Bosnien-Herzegowina nur drei Möglichkeiten: eine sehr gute, ein ganz gute, ein extreme schlechte. Es wurde die Mitte. Österreich erreichte am Donnerstagabend in Wien ein 0:0. Damit ist man fix Zweiter in der Nations League, Abteilung B. Der Aufstieg in Kategorie A wurde verpasst, der gebührt den Bosniern. Das abschließende Match am Sonntag in Belfast gegen Nordirland ist somit ziemlich wurscht, es findet natürlich trotzdem statt.

David Alaba links in der Viererkette

Teamchef Franco Foda wählte ein 4-2-3-System, er war der Überzeugung, dass zwei Innenverteidiger (Aleksandar Dragovic, Martin Hinteregger) reichen, um Superstar Edin Dzeko in den Griff zu bekommen. David Alaba agierte links in der Viererkette, diese Position ist nicht sein Lebensziel, aber waschechte Profis kicken dort, wo sie hingestellt werden. Peter Zulj und Kapitän Julian Baumgartlinger bildeten das zentrale Mittelfeld, davor werkten Alessandro Schöpf, Florian Kainz und Valentino Lazaro (von links nach rechts), Marko Arnautović mimte den Mittelstürmer. Guido Burgstaller musste ja aufgrund von Leistenproblemen abreisen, Arnautović wiederum mag das (nicht Guido Burgstallers Abreise, die zentrale Spitze), bei West Ham ist das sein Stammplatz.

Die Bosnier hatten nach dem 1:0 von Zenica die nettere Ausgangsposition, ein Remis reichte für den Gruppensieg, selbst eine Niederlage mit einem Tor Differenz (ab 1:2) wäre Anlass zur Freude gewesen. Also wurde von Franco Foda eine eher abwartende Mannschaft erwartet, obwohl Kollege Robert Prosinecki gesagt hat: „Wir wollen gewinnen, wenn man auf ein Unentschieden spielt, verliert man.“ Österreichs Plan lautete: Eine Balance zwischen Offensive und Defensive finden, pressen, angreifen. Julian Baumgartlinger nannte es „Kreativität und Verantwortung“.

Gut gefülltes Stadion

Das Happel-Stadion war mit 37.200 Zuschauern gut gefüllt, Heimspiel war es keines, es dürften sogar mehr Bosnier als Österreicher da gewesen sein, jedenfalls waren sie lauter. Die Rauchbomben und Böller hätten sie sich sparen können. Es entwickelte sich eine intensive Partie, die Bosnier ließen sich gemeinerweise überhaupt nicht einschnüren, sie hatte sogar die erste Chance. Nach einem Eckball von Miralem Pjanic köpfelte Toni Sunjic relativ knapp drüber (6.). Die ÖFB-Auswahl kam nicht wirklich in die gefährliche Zone, der letzte Pass misslang, was im Fußball bitter ist. Aber das Engagement passte. 24. Minute: David Alabas Freistoß hätte gefährlich sein können. Unmittelbar darauf prüft Edin Visca Heinz Lindner streng, der Goalie verhindert mit einem Reflex die kollektive Niedergeschlagenheit. 33. Minute: Dzeko verzieht knapp. 38. Minute: David Alaba führt einen Outeinwurf extrem rasch aus, der freistehende Marko Arnautović nützt seine Einsamkeit im Strafraum nicht aus. Fazit der ersten Halbzeit: Kein Leckerbissen, die Gäste waren konkreter, gefährlicher.

Seitfallzieher, Elferalarm und Glanzparade

Franco Foda reagierte, brachte Xaver Schlager für den mäßigen Kainz. Und es wurde etwas besser. Ein Seitfallzieher von Arnautović war zwar kein Tor, aber er war ästhetisch wertvoll (51) und auch ein Elfer, weil Sunjic mit dem Ellenbgen klärte. Der Referee reagierte nicht. Österreich musste riskieren. Die Bosnier lauerten auf Konter. 64. Minute: Lindners Glanzparade nach einem Schuss von Haris Duljevic hielt Österreich in der Partie. 67. Minute: Foda tauscht Schöpf aus und Michael Gregoritsch ein, mehr Mut (Mut der Verzweiflung?) geht gar nicht. Auch Marc Janko konnte es ab der 82. Minute nicht mehr richten. „Wir hatten viele einfache Ballverluste“, sagte Alaba. Teamchef Foda tröstete: „Zweite Halbzeit war es eigentlich gut.“

Fußball-Nations-League – Liga B, Gruppe 3, 5. Spieltag: Österreich – Bosnien-Herzegowina 0:0 Wien, Happel-Stadion, 37.200, SR Andrew Dallas/SCO.

Österreich: Lindner – Lainer, Dragovic, Hinteregger, Alaba – Baumgartlinger, Zulj (82. Janko) – Lazaro, Kainz (46. Schlager), Schöpf (67. Gregoritsch) – Arnautović

Bosnien-Herzegowina: Sehic – Vranjes, Sunjic, Zukanovic, Civic – Besic, Pjanic (87. Gojak), Saric – Visca, Dzeko, Duljevic (79. Krunic)
Gelbe Karten: Zulj, Baumgartlinger bzw. Vranjes, Duljevic, Saric 

Bericht: Gernot Hohenwarter
Fotos: © Andreas Prochaska

Stimmen zum Spiel:

Franco Foda (ÖFB-Teamchef): „Erste Halbzeit waren wir im Passspiel zu ungenau. Wir hatten einige gute Umschaltmomente, die haben wir nicht gut zu Ende gespielt. Nach der Halbzeit war es dann gut, da hatten wir einige Chancen, die wir nicht gemacht haben, deshalb ist es 0:0 ausgegangen. Wir hatten Probleme im Zentrum, deshalb habe ich den Wechsel vorgenommen, und mit Schlager war es dann besser. Zweite Halbzeit war es ein offener Schlagabtausch, es war ein ganz enges Spiel wie schon in Bosnien. Aber erste Halbzeit war das zu wenig, das habe ich auch in der Pause klar angesprochen. Wir haben uns viel zu wenig bewegt zwischen den Linien. Im Spiel nach vorne, in der letzten Zone müssen wir besser werden. Wir dürfen aber nicht alles schlechtreden, wir haben gegen eine gute Mannschaft gespielt. Alle glauben Bosnien ist Fallobst, aber diese Zeiten sind vorbei. Mein klares Ziel war es natürlich, den ersten Platz zu belegen. Wir haben jetzt den zweiten Platz belegt, das ist auch wichtig für die Auslosung der EM-Qualifikation. Deshalb ist auch das Spiel gegen Nordirland noch von Bedeutung, weil die Punkte wichtig für die Auslosung sind.“

Marko Arnautović (ÖFB-Teamspieler): „In der ersten Halbzeit haben wir nicht gut gespielt. In der zweiten war es besser. Es war ein gerechtes 0:0. Es hat immer der letzte Pass gefehlt. Ich denke, ich habe nichts falsch gemacht. Ich hatte kein Problem, das Knie war perfekt. Ich reise jetzt mit nach Nordirland, ob ich spielen werde, weiß ich nicht.“

David Alaba (ÖFB-Teamspieler): „In der ersten Halbzeit waren wir nicht so da, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen und hatten viele Ballverluste. Bosnien hat sehr gut den Ball laufen gelassen, da war es schwierig, ins Spiel zu kommen. Bosnien hat auch in der Defensive sehr, sehr gut agiert bei den Standards.“

Peter Zulj (ÖFB-Teamspieler): „Man muss sagen, wir haben zu wenig Torchancen kreiert. Wir hätten viel mehr Druck machen, Pressing spielen müssen. Das haben wir in der zweiten Hälfte gesehen. Es ist sehr bitter. Wir wollten vorne Druck machen, sind aber zu spät ins Pressing gekommen bzw. haben ein paar Spieler geschlafen. Wir haben es in der ersten Halbzeit sehr schlecht gemacht. Bosnien ist Gruppenerster – das am Sonntag (gegen Nordirland in Belfast, Anm.) ist damit nur ein Spiel, das wir aber unbedingt gewinnen wollen.“

Robert Prosinecki (Bosnien-Teamchef): „Es war heute ein sehr schweres Spiel. Wir waren in der ersten Halbzeit besser, Österreich in der zweiten. Deshalb ist dieses Ergebnis gerecht. Wir haben echt gute Spieler mit viel mehr Selbstvertrauen als früher. Ich kann meiner Mannschaft nur gratulieren, sie hat heute einen sehr guten Job gemacht.“

Marko Arnautović netzte gegen Nordirland ein.

Der Kapitän des ÖFB-Teams erzielte den Siegestreffer zum 1:0, das die Chance zum Gruppensieg in der Nations League am Leben hält

Wien – Natürlich hatte Marko Arnautović die gelbe Schleife um den rechten Oberarm gebunden. Die mehr oder weniger läppische Diskussion über die Frage, wer gegen Nordirland Kapitän der österreichischen Fußballnationalmannschaft sein solle, war eineinhalb Stunden vor Anpfiff offiziell beendet.

Mannschaftsaufstellungen beider Teams

Teamchef Franco Foda gab die Aufstellung bekannt, hinter dem Marko Arnautović stand das berühmte C auf dem Zettel geschrieben. Der 29-Jährige hatte sich an dem Vorgeplänkel erfreulicherweise nicht beteiligt, er konzentrierte sich auf das Wesentliche, auf sein 75. Länderspiel.

Einen Grund, weshalb dem West-Ham-Legionär diese Ehre zum zweiten Mal hintereinander zu Teil wurde, lieferte ausgerechnet Nordirlands Teamchef Michael O’Neill, als er in der Abschlusspressekonferenz sagte: „Er ist eine große Gefahr für jeden Gegner, hat das gewisse Etwas, kann Spiele entscheiden. Ihn unter Kontrolle zu halten, wird eine schwierige Aufgabe.“

Siegpflicht

Nach dem 0:1 in Bosnien-Herzegowina war die Ausgangslage in der neuen Nations League für Österreich schwierig. Um aus eigener Kraft noch Erster zu werden, war ein Sieg von Nöten. Das Happel-Stadion war am Freitagabend mäßig besucht (22.300 Zuschauer), mag sein, dass dieser Wettbewerb aufgrund des verwirrenden Regulativs die Menschheit ein bisserl abschreckt. Franco Foda, prinzipiell ein Fan von drei Innenverteidigern und elf Kapitänen („Jeder muss Verantwortung übernehmen“), wählte diesmal ein 4-4-2-System. Die Salzburger Stefan Lainer (rechts) und Andreas Ulmer (links) sollten die Seiten in der Defensive dichtmachen, Flanken der Nordiren unterbinden. Und in der Offensive waren sie für zusätzlichen Druck zuständig.

Guido Burgstaller hatte das Zwicken im Oberschenkel auskuriert, er stürmte neben Marko Arnautović. Marc Janko saß auf der Bank, der 35-Jährige war als Mann für gewisse Minuten vorgesehen. Als Brechwerkzeug, sollte der Kollegenschaft wenig bis nichts gelingen. Marc Janko weiß, wo das Tor steht, im Team hat er diese Behauptung 28 Mal bestätigt.

In den ersten Minuten passierte recht wenig, ein schüchternes Abtasten, die Österreicher versuchten, das Kommando zu übernehmen, was auch zunehmend gelang. Kontrolle bedeutet aber nicht Genialität, der Kombinationsfluss war bisweilen ein Kombinationsbach, Abspielfehler gerieten nicht zur Rarität.

David Alaba schaute auf der Ehrentribüne zu

14. Minute: Ein satter Schuss von Marcel Sabitzer wird zur Ecke abgefälscht. 16. Minute: Blackout von Goalie Bailey Peacock-Farrell, er nimmt einen Rückpass mit den Händen auf, Marko Arnautović fetzt den indirekten Freistoß in die Mauer, es war letztendlich keine Gefahr. 32. Minute: Marcel Sabitzer verstolpert. Und Nordirland? Zweikampfstark, robust, bieder, ungefährlich, das war’s. Pausenstand 0:0, der verletzte David Alaba wurde sehr vermisst, er saß und litt auf der Ehrentribüne.

In der zweiten Halbzeit wurde es spektakulärer, schneller, viel mehr Zug, offensiver. Sogar die Gäste hatten nun Ambitionen, ein Tor zu erzielen. Binnen fünf Minuten gab es vier hochkarätige Chancen, gerecht verteilt, für Österreich vergaben Marko Arnautović und Marcel Sabitzer knapp. 71. Minute: Peter Zulj schickt Arnautović in die Tiefe des Raumes, der macht eiskalt und unwiderstehlich das Tor zum 1:0. Deshalb ist er Kapitän. Es war sein 20. Treffer im Team. Und so war es letztendlich aufgrund der Leistungssteigerung eine zufriedenstellende Vorstellung und ein verdienter Sieg. Obwohl der eingewechselte Will Grigg noch an die Stange köpfelte (84. min.).

Österreich kickt am Dienstag freundschaftlich in Herning gegen Dänemark. Nordirland macht am Tag davor in der Nations League in Bosnien-Herzegowina weiter.

Nations League/Liga B/Gruppe 3:

Österreich – Nordirland 1:0 (0:0). Wien, Happel-Stadion, 22.300, SR Georgi Kabakow/BUL.

Tor: 1:0 (71.) Arnautovic

Österreich: Lindner – Lainer, Prödl, Hinteregger, Ulmer – Lazaro (90. Dragovic), Ilsanker, Zulj, Sabitzer (75. Schöpf) – Burgstaller (83. Kainz), Arnautovic

Nordirland: Peacock-Farrell – McNair, Cathcart, J. Evans, Lewis – Dallas, Davis, Norwood, Saville (76. Vassell), Ferguson (55. C. Evans) – Magennis (79. Grigg)

Gelbe Karten: Peacock-Farrell, Norwood

O-Töne:

Marko Arnautović (Torschütze Österreich): „Jeder Sieg hat große Bedeutung. Nach der Niederlage im ersten Spiel wollten wir gewinnen, das war unser Ziel. Wir haben verdient gewonnen, wir haben das Spiel dominiert. Sie hatten nur den Pfostenschuss nach einem Eckball. Es war nicht einfach, der Platz war auch nicht überragend. Wir wussten, dass sich die Nordiren hinten reinstellen werden. Das haben sie auch gut gemacht. Wir haben probiert, ruhig zu bleiben, wir hatten Vertrauen in uns. Wir wussten, dass noch eine Torchance kommen wird.“

Zu Diskussion über Kapitänsschleife: „Das Thema ist für mich abgeschlossen. Was war, war. Ich habe dazu nichts mehr zu sagen. Jeder weiß, was ich für dieses Land gegeben habe und was ich weiter geben werde.“

Franco Foda (Teamchef Österreich): „Wir haben das so erwartet. In der ersten Halbzeit hat uns ein wenig die Passsicherheit gefehlt. Die Mannschaft von Nordirland war sehr aggressiv, hat defensiv gut gearbeitet. Aber in der zweiten Halbzeit haben wir es viel besser gemacht. Ich denke, dass wir verdient gewonnen haben. Für beide Mannschaften war es sehr wichtig, das Spiel zu gewinnen. Das hat man gemerkt.“

Zum Thema Marko Arnautović: „Gerade in solchen engen Spielen machen solche Spieler den Unterschied aus. Marko hat wieder seine Klasse bewiesen.“

Heinz Lindner (Torhüter Österreich): „Der Sieg war heute extrem wichtig. Wir waren sicher die spielbestimmende Mannschaft, vielleicht ausgeklammert die letzten zehn Minuten. Wir sind aber geduldig geblieben.“

Michael O’Neill (Teamchef Nordirland): „Wir sind enttäuscht, es war ein hartes, körperbetontes Spiel. Wir hatten unsere Chancen, haben sie vergeben und wurden dafür bestraft. Wir wussten, dass Marko Arnautović jederzeit eine Gefahr darstellt, er ist ein Talisman-Spieler für Österreich. Das Tor war ein sehr guter Abschluss von einem sehr guten Spieler. Sollten wir aus Liga B absteigen, wäre das auch kein Desaster.“

Bericht: Gernot Hohenwarter
Fotos: © Andreas Prochaska

Österreich feiert 2:0-Sieg im Testspiel gegen Schweden

Dank eines Traumtores von Alaba und eines kuriosen Eigentores siegt die Foda-Elf im letzten Test vor der Nations League.

Wien. Ein Eigentor der Schweden und ein schöner Schuss von David Alaba entscheiden das Spiel gegen den WM-Viertelfinalisten.

Das treue Publikum sah, wie Österreichs Teamchef Franco Foda gegen die Schweden auf die Formel 3-4-2-1 setzte mit David Alaba und Marko Arnautovic als Flügelzange auf der linken Seite und Guido Burgstaller als Spitze. Mit links ging Österreich auch in Führung, eine Flanke von David Alaba faustete Schweden Torhüter Kristoffer Nordfeldt auf den von Guido Burgstaller bedrängten Filip Helander, der zum 1:0 für Österreich traf (11. min).

Schweden-Trainer Janne Andersson steckte sein Aufgebot zunächst in den zweiten Anzug. Nur zwei Spieler nämlich Emil Krafth und Isaac Kiese Thelin, stammten aus jener Elf, die sich gegen England im Viertelfinale sehr ehrenvoll aus dem WM-Turnier verabschiedet hatte. Von Schweden drohte auf dem Feld wenig Gefahr, Torhüter Heinz Lindner hatte vor der Pause nur bei zwei Fernschüssen seine Hände im Spiel.

Festgelaufen

Den Österreichern fehlte beim erhofften Umschalten in die Offensive öfters die gewünschte Geschwindigkeit, wobei sich die zumindest kompakt auftretenden Schweden beim freundschaftlichen Tanz als undankbarer Partner erwiesen. Auf der Suche nach Lücken im engmaschigen schwedischen Defensivkorsett wurde man nämlich nur selten wirklich fündig.

Flüssig vorgetragene Kombinationen stockten meist vor des Gegners Strafraum. David Alaba versuchte es einmal aus der Ferne, allerdings ohne Nachdruck. So endete die erste Halbzeit mit einem 1:0. Nicht unverdient zwar, aber doch in die Rubrik Zufallsprodukt einzuordnen. Und so blieb vorerst vor allem der auf’s Feld stürmende Flitzer in Erinnerung, der im Laufschritt kläglich daran scheiterte, seine mutmaßlich türkische Fahne zur Entfaltung zu bringen.

… Alessandro Schöpf (Mitte) zeigte sein Können gut.

Freigespielt

Mehr Zielstrebigkeit war nach dem Wechsel zu bemerken. Zunächst durfte wieder Heinz Lindner seine ganze Torhüter-Kunst aufbieten, als er einen Schuss von Marcus Rohden parierte. Temporeiche Angriffe führten auch bei den Österreichern zu Chancen, doch den Schüssen von Peter Zulj und Alessandro schöpf fehlte es an Präzision. Nicht so dem punktgenauen Versuch von Österreichs Auffälligsten neben Heinz Lindner, David Alaba, der ins lange Eck zum 2:0 traf (64.). Marko Arnautovic leistete mit einem energischen Durchbruch über links die Vorarbeit.

Am Dienstag wird sich Fodas Mannschaft zum Auftakt in der Nations League steigern müssen, um in Zenica gegen Bosnien-Herzegowina keine Überraschung zu erleben. Das sollte gelingen, denn immerhin wurde die Generalprobe letztlich ungefährdet gewonnen, die gleichzeitig eine Premiere in der Generali Arena war.

Kulisse für Foda „enttäuschend“

Franco Foda (ÖFB-Teamchef): „In der ersten Hälfte war ich nur bedingt zufrieden. Wir waren in der Defensive sehr stabil, haben wenig zugelassen. Wir hätten aber schneller aus der Defensive spielen müssen. Das haben wir in der zweiten Hälfte dann besser gemacht. Es haben einige Dinge gut funktioniert, es gibt im Fußball aber immer Dinge, die man besser machen kann, und daran werden wir in den nächsten Tagen arbeiten.“ Zur Kulisse von nur 11.100 Zuschauern meinte Foda: „Enttäuschend, die Mannschaft hätte viel mehr verdient. Wenn man erfolgreich sein will, dann müssen Publikum und Mannschaft miteinander funktionieren. Ich hoffe, dass wir beim nächsten Heimspiel besser unterstützt werden.“

David Alaba (ÖFB-Ersatzkapitän und Torschütze zum 2:0): „Wir haben uns viel vorgenommen und wollten das Spiel gewinnen. Das ist uns im Großen und Ganzen gut gelungen. Wir haben viele Sachen ganz gut gemacht, wir müssen aber auch noch viele Sachen besser machen. Es ist sicher noch Luft nach oben.“

Marko Arnautovic (ÖFB-Teamstürmer): „Ich denke, jeder redet von Freundschaftsspiel, wir haben das seriös angenommen und souverän gewonnen. Wir können zufrieden sein mit dem Ergebnis, vielleicht hätte es höher ausgehen können. Wir können jetzt mit einem guten Gefühl nach Bosnien fliegen. In der ersten Hälfte hat uns Schweden zugestellt, da haben wir uns schwergetan. In der zweiten Hälfte haben sie aufgemacht, und wir sind zu unseren Chancen gekommen.“

Heinz Lindner (ÖFB-Tormann): „Wir stehen kompakt und setzen die taktischen Vorgaben gut um. Kompliment an die Mannschaft, wir lassen dem Gegner wenig Räume, so soll es sein.“

Martin Hinteregger (ÖFB-Innenverteidiger): „Wir haben überhaupt nichts zugelassen. Es war eine sehr gute Partie von uns – in der Defensive und auch in der Offensive.“

Bericht: Gernot Hohenwarter
Fotos: © Andreas Prochaska

Brasilien zeigt den Österreichern eine perfekte Ballbeherrschung vor…

Im letzten von drei Testspielen unterlag man Brasilien in Wien verdient.

Wien. Dass es sich um ein Schlagerspiel gehandelt hat, lag nicht daran, dass der Salzburger Xaver Schlager erstmals von Beginn an bei einem Länderspiel auf dem Feld stand. Es lag am Gegner, der dem Spiel das Prädikat Schlager verlieh.

Mit Brasilien  gastierte im Prater die wohl attraktivste Nationalmannschaft der Welt. Mit Spielern, die bei den besten und schillernsten Klubs der Welt beschäftigt sind. Beim FC Barcelona, bei Real Madrid, bei Manchester City, bei Chelsea. Und die mit Neymar einen in ihren Reihen hat, dem mit Messi und Ronaldo größtem Star des Weltfußballs.

…fokusiert und konzentriert MARCELO

Von Brasilien erwartet man technisch guten Fußball, vielleicht sogar mit ein bisschen Zauber. Da wollte Österreichs Tormann Heinz Lindner gleich einmal seinen Beitrag dazu leisten. Nicht einmal 30 Sekunden waren gespielt, da lief nach einem Rückpass Gabriel Jesus auf ihn zu, doch Lindner ließ ihn mit einem gekonnten Haken ins Leere laufen.

Neymar im Fokus

Im Zentrum des Interesses stand aber Neymar. Schon beim Aufwärmen war daher das Stadion schon mehr als halb voll. Doch Julian Baumgartlinger ließ den Paris-Legionär schon nach sieben Minuten mit einer harten Attacke spüren, dass er nicht unter Artenschutz steht.

In der 38. Minute knallte Schöpf gegen den Standfuß von Neymar. In der 54. Minute stieg ihm Prödl von hinten auf den Fuß. Neymar konnte aber jedes Mal weitermachen, und eine Nation atmete jedes Mal auf. Denn es war das erste Länderspiel seit seiner Verletzung vom Februar, das er von Beginn an spielte.

…läuferisch können die viel mehr als WIR „denkt sich Marko Arnautović“

Österreich bestritt das sechste Länderspiel unter der Leitung von Franco Foda. Binnen kurzer Zeit war es das dritte gegen einen WM-Starter. Alle fünf bisherigen hatte man gewonnen. Insgesamt sieben Siege in Folge waren es – Allzeitrekord aus den Jahren 1933/34 eingestellt.

Nach den Siegen gegen Russland und Deutschland vertraute der Teamchef auch diesmal seiner so erfolgreichen taktischen Grundeinstellung. Hinten eine Dreierkette mit Dragovic, Prödl und Hinteregger. Auf den Seiten Lainer und Alaba. Im zentralen Mittelfeld Baumgartlinger und Grillitsch. Arnautovic als Spitze, Schlager und Schöpf hinter ihm.

…beeindruckende Atmosphäre der Zuschauer

Bei schwülen 30 Grad, eigentlich brasilianisches Wetter, schlugen sich die Österreicher von Beginn an tapfer. Brasiliens einzige Möglichkeit war ein Schuss von Casemiro, der im Außennetz landete. Die Österreicher hingegen hatte ihre beste Phase. 21. Minute: Flanke Alaba, Thiago Silva lenkte vor Arnautovic den Ball ab, Schöpf rutschte am rechten Eck vorbei. 22. Minute: Lainer im Strafraum zu Arnautovic, der aber übers Tor schoss.

Erst im Laufe der Partie bekamen die Brasilianer mit Technik und Kombinationsspiel die Oberhand über das Geschehen auf dem Platz. Lindner war bei einem Schuss von Coutinho mit den Fingerspitzen dran (25.). Der Ball kam im Strafraum zu Paulinho, Lindner lenkte noch zur Ecke (35.). Und dann ein Verzweiflungsweitschuss von Marcelo, der zu Gabriel Jesus abgelenkt wurde und der Heinz Lindner keine Chance ließ (36.).

Auftritt Neymar

…beeindruckende Angriffe der Brasilianer immer auf das rot-weiß-rote Tor…

Danach verlor die Partie an Fahrt und Attraktivität. Es war just Neymar, der wieder Stimmung ins Spiel brachte. Nach Zuspiel von Willian ließ er Dragovic wie einen tollpatschigen Nachwuchsspieler aussehen und erhöhte auf 2:0 (63.). Coutinho startete durch und erhöhte auf 3:0 (69.). Es war das dritte Tor über die schwache rechte Seite. Und Neymar durfte sich in der 84. Minute seinen Abgangsapplaus abholen. Das Fazit für die Brasilianer: WM-Test gelungen. Ab in den Flieger nach Russland.

Bericht: Gernot Hohenwarter
Fotos: © Andreas Prochaska

Österreich gewinnt das Testspiel gegen Deutschland mit 2:1.

Martin Hinteregger und Alessandro Schöpf treffen für das Team von Franco Foda.

Ein verspäteter Ankick und ein früher Rückstand stoppte Österreich nicht auf dem Weg zum ersten Sieg nach 32 Jahren.

…der tschechische Schiedsrichter Pavel Kralovec (ganz links) mit seinen Kollegen und der Frage: Anpfiff JA/Nein..?!

Es war der wohl längste und ereignisreichste Fußball-Abend in der Geschichte des ÖFB, der um 21.33 Uhr im Wörthersee-Stadion von Klagenfurt doch noch ein trockenes und vor allem begeisterndes Ende fand. Österreich besiegte Weltmeister Deutschland 2:1. Das Messen mit dem Besten sollte eine Standortbestimmung sein. Der fünfte Sieg im fünften Spiel unter Teamchef Franco Foda offenbarte, dass man ein Spitzenteam wie Deutschland absolut fordern kann.

Mesut Özil umspielt Aleksandar Dragovic
Foto: © Andreas Prochaska

Höhere Gewalt zwang die Akteure zunächst zu insgesamt drei Aufwärmphasen, die Zuschauer zu langem Zuwarten. Ein Unwetter zog über Klagenfurt hinweg, das alles zu bieten hatte: Regen, so stark, dass er sogar durch das Dach fiel, dazu Hagelschauer. Erst um 19.40 Uhr (statt wie geplant um 18 Uhr) pfiff der tschechische Schiedsrichter Pavel Kralovec das Länderspiel doch noch an.

Trainingsmodus

Deutschland trat ohne Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller an, dafür mit Manuel Neuer als Comebacker im Tor. Österreichs Teamchef Franco Foda brachte im Vergleich zum Russland-Spiel mit Florian Grillitsch im zentralen Mittelfeld und David Alaba auf der linken Seite zwei Neue. Deutschland kontrollierte gleich mit viel Ballbesitz das Geschehen, Österreich hatte kaum Zugriff auf das Spiel und lief hinterher.

…der sichere Rückhalt Manuel Neuer (blaues Trikot)
Foto: © Andreas Prochaska

Und servierte mustergültig ein Gastgeschenk. Martin Hinteregger spielte zurück auf Goalie Jörg Siebenhandl, dessen missglückter Abschlag landete bei Mesut Özil, der sich mit dem 0:1 bedankte (11.). Österreich verteidigte tief, um die Räume eng zu machen, hatte nach Balleroberungen oft Probleme, selbst in die Offensive zu gelangen. Zu schnell gab man in dieser Phase, auch durch das gute Gegenpressing des Gegners, den Ball wieder her und ermöglichte den Deutschen weitere Möglichkeiten, Julian Brandt scheiterte zwei Mal.

Erst allmählich fasste Österreich mehr Mut und richtete die Aktionen mehr in die Tiefe. Peter Zulj prüfte Neuer mit einem zu zentral angetragenen Schuss (31.), kurz danach trug Florian Grillitsch einen Schuss überraschend ins kurze Eck an, doch Manuel Neuer bewies mit einem tollen Reflex, weshalb er zu Recht den Anspruch auf die Nummer 1 hat.

Mut zum Risiko

Österreich startete viel aggressiver, offensiv agierend und flotter im Umschalten in die zweite Hälfte und legte eine fulminante Phase hin. Zuerst fehlten David Alaba bei einem Weitschuss nur Zentimeter, dann servierte er aus einem Eckball Martin Hinteregger den sehenswerten Ausgleich zum 1:1. Der Verteidiger nahm den Ball volley und traf punktgenau (53.). Ein Traumtor. Zwei Minuten später leitete David Alaba mit einem Traumpass auf Marko Arnautovic die nächste Großchance ein, doch Neuer parierte mit einem Reflex (55.). Deutschlands Bundestrainer Joachim Löw tigerte unzufrieden in der Coachingzone herum.

Österreichs nahm mehr Risiko, erzeugte endlich Druck und stellte Deutschland vor große Probleme. Ein Schuss von Peter Zulj strich noch knapp am Tor vorbei, drei Minuten später ging Österreich in Führung. Julian Baumgartlinger mit einem Wechselpass auf Stefan Lainer, der legte zurück auf Alessandro Schöpf, der eiskalt zum 2:1 abschloss (69.). Spätestens jetzt war das Wörthersee-Stadion ein Tollhaus.

Marko Arnautovic tröstet Marco Reus
Foto: © Andreas Prochaska

Deutschland warf im Finish mit Marco Reus und Timo Werner noch alles nach vorne, doch Österreich verteidigte mit viel Kampf und dem Publikum im Rücken die knappe Führung und feierte einen historischen Sieg, erstmals seit 1986 wurde Deutschland besiegt.

Für die Fans wurde es dann doch wieder ein feucht-fröhlicher Abend.

Bericht: Gernot Hohenwarter
Fotos: © Andreas Prochaska

WM-Qualifikation: Österreich gegen Georgien nur 1:1

Österreich enttäuschte beim 1:1 gegen Georgien vollends, die WM-Chance ist endgültig dahin. Es dürfte sich um die Abschiedsvorstellung von Teamchef Marcel Koller gehandelt haben.

Wien. Österreichs Nationalmannschaft musste nur drei Tage nach dem 0:1 in Wales den nächsten Tiefschlag hinnehmen. Die Auswahl von Marcel Koller kam im schlecht besuchten Ernst-Happel-Stadion gegen Georgien nicht über ein 1:1 hinaus. Im Vorfeld dieses Spiels war weniger über Georgien denn über das mögliche nahende Ende der Ära Koller gesprochen worden. Der Schweizer lieferte seit der erfolgreichen EM-Qualifikation kaum noch Argumente für eine abermalige Vertragsverlängerung, allerdings bleibt die Frage nach Alternativen, mit der sich der ÖFB in den kommenden Tagen beschäftigen wird müssen.

Andreas Herzog mit Frau Kathi im Gespräch mit Ronald Reisenbacher (l.) beobachten gespannt das Spiel.

Dass Rekordteamspieler Andreas Herzog an diesem Spätsommerabend unter den 13.400 Zuschauern saß, mag per se nichts Ungewöhnliches sein, aber es wäre nicht das erste Mal, dass der zukünftige Teamchef dem gegenwärtigen bei dessen Abschiedsvorstellung zugesehen hat. Koller hatte in seinem 52. Länderspiel als Teamchef seine Startformation im Vergleich zur Begegnung in Wales gleich an vier Position verändert: Kevin Danso (für den verletzten Sebastian Prödl), Moritz Bauer (mit sehr engagiertem Debüt), Florian Grillitsch und Florian Kainz rückten in die Mannschaft, die allein aufgrund der Nominierung neuer Kräfte aber kein Selbstvertrauen ausstrahlte, im Gegenteil.

Erschreckendes Gesamtbild

Österreich fehlte es an Ideen, an Ordnung und Struktur, auch eine klare taktische Ausrichtung war nicht erkennbar. Das frühe 0:1 durch Gwilia in der neunten Minute potenzierte die Verunsicherung, dem Tor war, wie so oft seit der verpatzte Europameisterschaft, ein Fehler im Spielaufbau vorausgegangen. Das ÖFB-Team war fortan schlichtweg nicht in der Lage, die Nummer 112 der Fifa-Weltrangliste dauerhaft vor Probleme zu stellen. Bei einem Harnik-Kopfball an die Latte (18.) hatte man Pech, man könnte allerdings auch von Unvermögen sprechen. Die Abschlussschwäche quält Österreichs Auswahl seit einer gefühlten Ewigkeit, Koller selbst kann die Tore nicht schießen.

Ein Solo von Arnautovic (19.), der drei Gegenspieler ausstanzte, war zwar hübsch anzusehen, aber auch sinnbildlich für die fehlenden Lösungsansätze einer nicht funktionierenden Mannschaft. Dass der bis dahin völlig unauffällige David Alaba in der 38. Minute mit einer Sprunggelenksverletzung ausschied, passte irgendwie ins Gesamtbild. Ausgerechnet Alabas Ersatzmann Louis Schaub war es, der in der 43. Minute die gespenstische Stimmung im Ernst-Happel-Stadion kurzzeitig auflockerte, sein Treffer zum 1:1-Ausgleich nährte ein klein wenig Hoffnung auf eine Steigerung in Hälfte zwei.

Allerdings, die Anfangsoffensive in Rotweißrot unmittelbar nach Wiederbeginn verpuffte rasch, einzig Arnautovic vermochte Gefahr auszustrahlen (51.). Harnik blieb als Solospitze wie in Wales eine Enttäuschung, er wurde in der 68. Minute durch Janko, bei Sparta Prag als Reservist momentan auch nicht vor Selbstvertrauen strotzend, ersetzt. Davon, gegen Georgien souverän oder gar überlegen zu agieren, war Österreich erschreckend weit entfernt.

Die Georgier hatten die Verwundbarkeit des EM-Teilnehmers erkannt, witterten sogar die Chance auf den Sieg und kamen diesem durch Kasaischwili (77.) nochmals nahe. Auf der Gegenseite vergab Danso per Kopf die beste Möglichkeit (79.).

bei der anschließenden Pressekonferenz: glückliche Teamchef’s sehen anders aus …

Dass Koller mit seinem letzten Wechsel Ilsanker und keine weitere Offensivkraft brachte, mag nur der Teamchef selbst verstehen. Es könnte eine seiner letzten Amtshandlungen gewesen sein. Dass er am 6. Oktober im Heimspiel gegen Serbien noch auf der Bank sitzt, darf nach diesem Spiel stark bezweifelt werden.

Bericht: Gernot Hohenwarter
Fotos: Andreas Prochaska