WM-Qualifikation: Österreich gegen Georgien nur 1:1

Österreich enttäuschte beim 1:1 gegen Georgien vollends, die WM-Chance ist endgültig dahin. Es dürfte sich um die Abschiedsvorstellung von Teamchef Marcel Koller gehandelt haben.

Wien. Österreichs Nationalmannschaft musste nur drei Tage nach dem 0:1 in Wales den nächsten Tiefschlag hinnehmen. Die Auswahl von Marcel Koller kam im schlecht besuchten Ernst-Happel-Stadion gegen Georgien nicht über ein 1:1 hinaus. Im Vorfeld dieses Spiels war weniger über Georgien denn über das mögliche nahende Ende der Ära Koller gesprochen worden. Der Schweizer lieferte seit der erfolgreichen EM-Qualifikation kaum noch Argumente für eine abermalige Vertragsverlängerung, allerdings bleibt die Frage nach Alternativen, mit der sich der ÖFB in den kommenden Tagen beschäftigen wird müssen.

Andreas Herzog mit Frau Kathi im Gespräch mit Ronald Reisenbacher (l.) beobachten gespannt das Spiel.

Dass Rekordteamspieler Andreas Herzog an diesem Spätsommerabend unter den 13.400 Zuschauern saß, mag per se nichts Ungewöhnliches sein, aber es wäre nicht das erste Mal, dass der zukünftige Teamchef dem gegenwärtigen bei dessen Abschiedsvorstellung zugesehen hat. Koller hatte in seinem 52. Länderspiel als Teamchef seine Startformation im Vergleich zur Begegnung in Wales gleich an vier Position verändert: Kevin Danso (für den verletzten Sebastian Prödl), Moritz Bauer (mit sehr engagiertem Debüt), Florian Grillitsch und Florian Kainz rückten in die Mannschaft, die allein aufgrund der Nominierung neuer Kräfte aber kein Selbstvertrauen ausstrahlte, im Gegenteil.

Erschreckendes Gesamtbild

Österreich fehlte es an Ideen, an Ordnung und Struktur, auch eine klare taktische Ausrichtung war nicht erkennbar. Das frühe 0:1 durch Gwilia in der neunten Minute potenzierte die Verunsicherung, dem Tor war, wie so oft seit der verpatzte Europameisterschaft, ein Fehler im Spielaufbau vorausgegangen. Das ÖFB-Team war fortan schlichtweg nicht in der Lage, die Nummer 112 der Fifa-Weltrangliste dauerhaft vor Probleme zu stellen. Bei einem Harnik-Kopfball an die Latte (18.) hatte man Pech, man könnte allerdings auch von Unvermögen sprechen. Die Abschlussschwäche quält Österreichs Auswahl seit einer gefühlten Ewigkeit, Koller selbst kann die Tore nicht schießen.

Ein Solo von Arnautovic (19.), der drei Gegenspieler ausstanzte, war zwar hübsch anzusehen, aber auch sinnbildlich für die fehlenden Lösungsansätze einer nicht funktionierenden Mannschaft. Dass der bis dahin völlig unauffällige David Alaba in der 38. Minute mit einer Sprunggelenksverletzung ausschied, passte irgendwie ins Gesamtbild. Ausgerechnet Alabas Ersatzmann Louis Schaub war es, der in der 43. Minute die gespenstische Stimmung im Ernst-Happel-Stadion kurzzeitig auflockerte, sein Treffer zum 1:1-Ausgleich nährte ein klein wenig Hoffnung auf eine Steigerung in Hälfte zwei.

Allerdings, die Anfangsoffensive in Rotweißrot unmittelbar nach Wiederbeginn verpuffte rasch, einzig Arnautovic vermochte Gefahr auszustrahlen (51.). Harnik blieb als Solospitze wie in Wales eine Enttäuschung, er wurde in der 68. Minute durch Janko, bei Sparta Prag als Reservist momentan auch nicht vor Selbstvertrauen strotzend, ersetzt. Davon, gegen Georgien souverän oder gar überlegen zu agieren, war Österreich erschreckend weit entfernt.

Die Georgier hatten die Verwundbarkeit des EM-Teilnehmers erkannt, witterten sogar die Chance auf den Sieg und kamen diesem durch Kasaischwili (77.) nochmals nahe. Auf der Gegenseite vergab Danso per Kopf die beste Möglichkeit (79.).

bei der anschließenden Pressekonferenz: glückliche Teamchef’s sehen anders aus …

Dass Koller mit seinem letzten Wechsel Ilsanker und keine weitere Offensivkraft brachte, mag nur der Teamchef selbst verstehen. Es könnte eine seiner letzten Amtshandlungen gewesen sein. Dass er am 6. Oktober im Heimspiel gegen Serbien noch auf der Bank sitzt, darf nach diesem Spiel stark bezweifelt werden.

Bericht: Gernot Hohenwarter
Fotos: Andreas Prochaska